From 61286bb73a8862c4fa673d7bfb26a7d86b3665f9 Mon Sep 17 00:00:00 2001 From: Josha von Gizycki Date: Thu, 24 Sep 2026 15:19:17 +0200 Subject: [PATCH] more 5000km --- resources/drafts/11-dreirad-die-ersten-5000-km.md | 15 +++++++++++++++ 1 file changed, 15 insertions(+) diff --git a/resources/drafts/11-dreirad-die-ersten-5000-km.md b/resources/drafts/11-dreirad-die-ersten-5000-km.md index 7a22b2f..1e17b0f 100644 --- a/resources/drafts/11-dreirad-die-ersten-5000-km.md +++ b/resources/drafts/11-dreirad-die-ersten-5000-km.md @@ -24,4 +24,19 @@ Nachdem die Maschine etwas warm gelaufen ist, setzt sich der Händler ins Beiboo ## Physik, oh weh +Ein Motorrad ist eine Maschine, die erst ab einer modellspezifischen Geschwindigkeit stabil zu fahren ist. Ein Gespann, also ein Motorrad, welches an einer Seite ein drittes Rad, welches mit mehreren dutzend Kilogramm Metall mit dem Rest des Gefährts verbunden ist, besitzt, ist im Stand stabil. Versetzt man die Konstruktion in Bewegung, versetzt man sie in einen instabilen Zustand. Der mechanische angelenkte Anbau ist zwar im Verhältnis zum Motorrad nicht sonderlich schwer, ist aber zusätzlich auch noch an einem Hebel befestigt, da der darauf getragene Beiwagen ja auch eine gewisse Breite vorweisen soll. Mehrere Faktoren hindern das Gespann also an einer vernünftigen Geradeausfahrt, da das vom Motor angetriebene und somit das Gespann antreibende Rad weiterhin das Hinterrad des Motorrades darstellt, welches zum Schwerpunkt des Fahrzeugs seitlich versetzt steht. Dieser befindet sich übrigens ungefähr eine Handbreit oberhalb der rechten Fahrerfußraste. +Gibt der Fahrer nun den Befehl zum Beschleunigen, denkt sich der Beiwagen, dass er den Teufel tun wird und bringt trotzig das Prinzip der Massenträgheit ins Spiel. Gepaart mit dem zum Schwerpunkt versetzten Hinterrad, siehe oben, resultiert das darin, dass das Motorrad um den Beiwagen herum fahren wird, sollte der Fahrer nicht mit Muskelkraft dagegen arbeiten. +Beim Verzögern stellt es sich, sprechen wir erstmal nur von der Motorbremse, entgegengesetzt dar. Das Hinterrad bremst das Fahrzeug ab, der Beiwagen will sich aber weiterbewegen und somit "schwingt" er um das Motorrad herum. Auch hier ist Muskelkraft gefragt, soll dieses Verhalten negiert werden. Wenn wir nun die Bremsen mit ins Spiel nehmen, stellen wir fest, dass die motorradtypischen zwei Bremshebel, einer am Lenker, einer am rechten Fuß, insgesamt drei Räder abbremsen sollen. Welcher Hebel welche Bremse bedient, ist Gegenstand von teils ausufernden Diskussionen, da sich keine objektiven Vor- oder Nachteile festellen lassen können. Man ist sich aber einig, dass der Beiwagen auf jeden Fall eine Bremse besitzen sollte, was bei alten Gespannumbauten durchaus nicht der Fall war. + +Die Eigenheiten der kurvenrichtungsabhängigen Tendenzen zum Über- und Untersteuern und Schlingern kann ein erfahrener Pilot natürlich auch für sich nutzen, um Kraftaufwand zu sparen. So ist es nicht unüblich, vor einer Linkskurve noch ein mal kräftig zu beschleunigen, um genug Schwung aufzubauen, damit man mit leicht verzögernder Motorbremse, eventuell auch noch die Vorderradbremse dazu nehmend, durch die Kurve gleitet. Vor Rechtskurven hingegen kann man noch ein mal etwas zusätzlich bremsen, um dann beherzt durch die Kurve hinweg Gas zu geben. + +Und damit kommen wir zum nächsten Abschnitt. + +### In die Kurve legen? + +Macht man üblicherweise nicht, das Gespann bleibt auch in der Kurve aufrecht. + +In Ländern, in denen auf der rechten Straßenseite gefahren wird, ist der Beiwagen auch an der rechten Seite montiert, wodurch sich auch das oben beschriebene Fahrverhalten ergibt. Dieses ist zu großen Teilen durch die Zentrifugalkraft begründet, welche zweirädrige Motoristen ausgleichen, indem sie sich in die Kurve hinein, also in Richtung Kurveninnenseite, legen. Fährt man nun eine Rechtskurve, treibt die Zentrifugalkraft das Gefährt in Richtung Kurvenaußenseite, nach links, während die Reifen es aber daran hindern, einen weiteren Radius zu fahren. Um wenigstens etwas weiter ins Kurvenäußere zu kommen, fängt das Gespann also an, sich um eine weitere Achse zu drehen: Es kippt nach links, entlang der Achse Vorder- und Hinterrad. Der Schwerpunkt ist ja eh verhältnismäßig nah an dieser, das macht es also noch einmal einfacher. + +Was kann dagegen unternommen werden? Da wir hier ein fahrendes Kräfteungleichgewicht vor uns haben, können wir Kräfte verringern oder erhöhen. Verringern können wir ganz einfach durch langsameres Fahren, da sich dann auch weniger Kraft im System befindet, das einem die Fuhre umschmeißen will.